Gemeinde Rimbach

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Mitlechtern

Mitlechtern

Blick auf Mitlechtern
Blick auf Mitlechtern

Erste urkundliche Erwähnung 805 in der Grenzbeschreibung des Heppenheimer Kirchspiels (vgl. Albersbach und Lauten-Weschnitz). Älteste Namensformen: „Mitdelecdrun“ (805), „Mittelechter“ (1339). Ursprünglicher Landesherr war die Reichsabtei Lorsch. Nach ihrer Aufhebung finden wir Mitlechtern im Besitz der Pfalzgrafen bei Rhein, die im 14. Jahrhundert die Schenken von Erbach mit dem Dorf belehnten. Da die Erbacher im 16. Jahrhundert ihren Herrschaftsbereich um die Burg Schönberg abrunden wollten, einigten sie sich 1561 mit Kurpfalz auf folgenden Vertrag:

  • Kurpfalz gibt die Dörfer Reichenbach (½) Lautern, Gadernheim und Raidelbach ab,
  • Erbach übergibt Kurpfalz dafür die Dörfer Mittershausen, Scheuerberg, Mitlechtern, Knoden, Breitenwiesen, Schannenbach und Ober-Laudenbach.

1714 - 1827

Aus diesen Orten bildete Kurpfalz die dem damaligen Amt Lindenfels unterstellte „Neue Zent“. Mit der hohen Gerichtsbarkeit gehörte Mitlechtern wie Lauten-Weschnitz zur Zent auf dem Landberg. Erst 1714 wurde das Dorf mit den übrigen Dörfern völlig von Heppenheim gelöst. Die schweren Gerichtsfälle kamen von nun an in Lindenfels zur Aburteilung. Das Niedergericht war seit dem Vertrag mit Erbach bereits in dem Burgenstädtchen. Hier mussten die Mitlechterner (und Lauten-Weschnitzer) auch ihre Längen- und Hohlmaße sowie ihre Gewichte eichen lassen.

Im Jahr 1784 bestand das Dorf aus 10 Häusern mit 15 Familien und 81 Seelen. 1803 kam Mitlechtern mit dem Oberamt Lindenfels an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt.

Hinsichtlich der kirchlichen Zugehörigkeit verzeichnete 1822 das Dorf 53 reformierte (1865: 70), 47 lutherische (1865: 87) und 22 katholische (1865: 45) Einwohner. Während die Evangelischen nach Rimbach (luth.) und Schlierbach (ref.) pfarrten, gehörten die Katholiken seit alters zum Kirchspiel Fürth. Nach Gründung einer selbstständigen evangelischen Pfarrei dortselbst wurden die Reformierten (ab 1922) und Teile der Lutheraner der neuen Kirchengemeinde zugewiesen.

Eine gemeinsame ständige Schule für Mitlechtern und Lauten-Weschnitz gibt es seit 1827. Vorher besuchten die Kinder die Schule in Lindenfels, doch konnten die beiden Gemeinden schon seit Anfang des 18. Jahrhunderts im Winter einen eigenen Lehrer annehmen. Da die lutherischen Einwohner von Mitlechtern und Lauten-Weschnitz seit 1818 ihre Kinder nach Rimbach schickten, musste die gemeinsame Winterschule wegen der Verringerung des Schulgeldes 1824 aufgelöst werden. Die reformierten Kinder besuchten bis 1827 dann die Winterschule in Mittershausen.

1822 - 1971

Ab 1822 waren Mitlechtern, Mittershausen, Scheuerberg, Igelsbach, Knoden, Breitenwiesen und Schannenbach in der gemeinschaftlichen Bürgermeisterei Mittershausen vereint, die in dieser Form zwanzig Jahre lang Bestand hatte. Am 16. März 1842 wurde die Trennung der seitherigen gemeinsamen Verwaltung ausgesprochen. Schannenbach, Knoden und Breitenwiesen bildeten vom 22. Juli dieses Jahres an eine eigene Bürgermeisterei (Schannenbach), die übrigen Gemeinden verblieben im seitherigen Verwaltungsverbund.

Als 1905 Wilhelm Hartmann aus Mitlechtern die Bürgermeisterwahl überraschend für sich entschied, kamen in Mittershausen umgehend energische Bemühungen in Gang, für Mittershausen und Scheuerberg eine eigene Dorfverwaltung zu bilden. Nach monatelangen Querelen entschied das Ministerium des Innern am 9. März 1906, dass ab 1. Juli eine eigene „Großherzogliche Bürgermeisterei Mittershausen“ zu bilden sei. Die Trennung wurde am 22. Juli vollzogen. Igelsbach verblieb bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges bei Mitlechtern und kam dann zu Kirschhausen.

Mit einem denkbar knappen Votum entschieden sich die Gemeindevertreter Mitlechterns in der Sitzung am 27. September 1971 für den Anschluss ihrer Kommune an die Gemeinde Rimbach. Vier Mandatsträger stimmten für Rimbach, drei sprachen sich für die Eingliederung nach Fürth aus. Der Grenzänderungsvertrag wurde – zusammen mit Lauten-Weschnitz – am 18. November 1971 unterzeichnet.