Gemeinde Rimbach

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Presseinformation des Forstamtes

Borkenkäfer verändern Rimbacher Wald in rasanter Geschwindigkeit
 
Durch die beiden Hitzesommer 2018 und 2019 sind im Rimbacher Wald sehr viele Waldabteilungen mit Fichten dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen.  Bis zum Herbst 2019 hatten die zuständigen Forstmitarbeiter noch die Hoffnung, dass Fichtenpartien erhalten werden können. Nach diversen frostigen Nächten hat sich dieser Eindruck leider verändert. Dies ist an der abfallenden Rinde an den Fichten deutlich zu sehen.
Sie sind abgestorben und müssen aus verschiedenen Gründen gefällt werden.

Zum einen gilt § 8 des hessischen Waldgesetzes (HWaldG) „Waldschutz“. Hier wird eindeutig vom Waldbesitzer die Beseitigung von waldschutzrelevanten Einflüssen (u.a.Borkenkäfer) aus Rücksichtnahme auf angrenzende Waldbesitzer gefordert.
§8 (1) 1Die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer müssen den Wald angemessen gegen eine Schädigung durchtierische und pflanzliche Schädlinge, Naturereignisse und Feuer schützen. 2Dies umfasst auch vorbeugende Maßnahmen.

Vorbeugende Maßnahmen sind im Falle einer Borkenkäfer-Kalamität aufgrund der hohen Vermehrungsrate des Borkenkäfers nicht möglich (1 Weibchen= 100.000 Nachkommen/pro Jahr). Auch von Monokulturen kann hier nicht die Rede sein. Der Wald in Rimbach besteht nur zu 30% aus Nadelholz (darunter auch Lärchen, Tannen, Douglasien und Kiefern), und dies auf viele kleine-mittelgroße Parzellen verteilt. Das Laubholz überwiegt mit 70%.

Da ganz Mitteleuropa,- auch aufgrund von diversen Stürmen- von dieser Situation betroffen ist, ist der Holzmarkt extrem überlastet. Dies spiegelt sich auch in den stark gefallenen Holzpreisen wieder. Die Kosten für die Aufarbeitung bleiben jedoch gleich. Zudem wird das Holz sehr spät vom Sägewerk abtransportiert und verbleibt lange Zeit im Wald, was die Qualität verschlechtert und sich analog im geringen Preis widerspiegelt.
Dies ist für den Waldhaushalt (Bilanz der Einnahmen und Ausgaben) eine große Belastung.
 
Trotzdem müssen wir das Holz nicht nur laut Gesetz aufarbeiten. Wir haben zudem die Vorgabe der Wiederbewaldungspflicht laut Hessischen Wald-Gesetz:
§ 7 HWaldG – Wiederbewaldung, Erhaltung der Waldbestände(1) 1Kahlflächen, Blößen und verlichtete Grundflächen mit einer Flächengröße von mehr als 0,5 Hektar sind durch die Waldbesitzerin oder den Waldbesitzer innerhalb von sechs Jahren durch Naturverjüngung, Pflanzung oder Saat wieder zu bewalden. 2 Die Forstbehörde kann für die Wiederbewaldung eine angemessene Frist setzen und Pflanzung oder Saat anordnen, sofern sich der Wald nicht natürlich verjüngt

Um Waldbäume pflanzen oder säen zu können müssen wir die Flächen begehbar machen, auch im Sinne der Fürsorgepflicht für die Forstwirte, die nicht dauerhaft unter toten Bäumen arbeiten dürfen.
Zudem macht es wenig Sinn für viel Geld Kahlflächen mit Bäumen und dem Einzelschutz gegen Rehwild aufzuforsten, wenn dann regelmäßig tote Fichten unkontrolliert auf die Fläche fallen und die Pflanzen samt Schutz kaputt machen.

Hinzu kommt die Regelung des freien Wald-Betretungsrechts: Waldbesucher müssen die Gefahr durch tote Bäume entlang der Waldwege im Zuge des freien Betretungsrechts hinnehmen. Dennoch versuchen wir auch hier die Gefahren so gering wie möglich zu halten.
Konkret sind die Bereiche Richtung Fahrenbach, von der Tränke aus Richtung Schardhof und der komplette Höhenzug vom Schardhof in Richtung Ireneturm stark betroffen. Zwischendrin sind auch kleinere Bereiche am Schlangenweg und weitere Wege betroffen.

Leider sind durch die Hitzesommer nicht nur die Fichten geschwächt. Auch die Buchen konnten den hohen Temperaturen stellenweise nicht standhalten. Hier kommt es ebenfalls zu Absterbeerscheinungen. Und dies in allen Bereichen im Revier Rimbach und Mörlenbach. Buchen die am Rand stehen und der Stamm nicht von Nachbarbäumen beschattet wird, bekommen bei diesen hohen Sommertemperaturen Sonnenbrand. Dann beginnt ein sehr schneller Holzzersetzungsprozess durch Pilze. Die Stämme brechen unkontrolliert ab. Von den Wurzeln kommt zusätzlich noch ein anderer Pilz (sichtbar als schwarzer „Schleim“ am Stammfuß), der den Baum zusätzlich zum Absterben bringt. Beide Prozesse können unabhängig voneinander ablaufen. Bei Sonnenbrand jedoch kann sich der Baum nicht mehr erholen.

Durch die Trockenheit sind grundsätzlich alle Baumarten geschwächt. Dadurch sind vielerorts die Feinwurzeln, die für den Wasser- und Nährstofftransport zuständig sind, abgestorben. Somit besteht weiterhin überall die Gefahr, dass Bäume unvermittelt umfallen. Wie auch z.B. am Waldparkplatz Tränke.
Im Bereich Mörlenbach/Ober-Liebersbach haben wir in einer Abteilung verstärkt mit dem Eschentriebsterben zu tun, und werden auch hier entlang des Weges absterbende Eschen fällen müssen. Auch aus Verkehrssicherungspflicht, da sich hier ein Lehrpfad befindet.

Auch hier versuchen wir die Gefahren entlang der Wege zu minimieren und hoffen auf Ihr Verständnis!
 
Forstamt Lampertheim
Revier Rimbach/Mörlenbach

Schleimfluss bei Buche
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Sonnenbrand bei Buche
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